Coursing und Windhundrennen
Der Hund verfolgt einen künstlichen Köder, der an einer Schnur gezogen wird. Beim Coursing geht es im Zickzack über ein freies Feld wie bei einer Hasenjagd, beim Rennen auf einer festen Bahn. Lebendes Wild gibt es dabei nicht.
Passt für: Im VDH laufen 13 Windhundrassen und fünf Rassen der FCI-Gruppe 5, zum Beispiel Whippet, Greyhound und Saluki.
Was du trainierst
Start
- Start aus der Hand an der Startlinie
- Start aus der Startbox
Laufen
- Sololauf hinter dem Köder
- Paarlauf
- Lauf mit Maulkorb und Renndecke
- Rennlauf mit mehreren Hunden
Parcours
- Parcours mit Wendungen
- Hindernis im Parcours
- Fangen in der Fangzone
Kondition
- Konditionstraining
Regeln laut Prüfungsordnung
Wer darf starten
- Zugelassen sind alle Windhundrassen, mit ihnen verwandte Rassen und Basenjis.
- Der Hund braucht eine gültige Lizenz (Startausweis) und muss in einem von FCI oder VDH anerkannten Zuchtbuch oder dessen Register stehen.
- Mindestalter: große Rassen 18 Monate, kleine Rassen wie Whippet, Italienisches Windspiel oder Basenji 15 Monate.
- Höchstalter: bis zum Ende der Saison, in der der Hund 8 Jahre alt wird. Ab 6 Jahren gibt es bei nationalen Rennen eine Seniorenklasse.
- Für die Coursinglizenz: zuerst zwei Läufe allein (Sololäufe), dann zwei Läufe zu zweit, alle mit Maulkorb und Renndecke, höchstens 2 Lizenzläufe pro Trainingstag.
- Für diese Trainingsläufe darf das Mindestalter um höchstens 3 Monate unterschritten werden. Fällt ein Lauf wegen Fehlverhalten durch, zählen alle bisherigen Läufe nicht.
- Wer eine Rennlizenz hat, darf auch Coursing laufen und bekommt die Coursinglizenz auf Antrag ohne neue Prüfung. Die Lizenz braucht jedes Jahr einen gültigen Jahresstempel.
- Whippets und Italienische Windspiele brauchen eine gültige Größenmessung, z. B. Whippet-Rüden bis 51 cm, Hündinnen bis 48 cm Schulterhöhe. Größere starten in der Nationalen Klasse.
Rennbahn und Coursing-Strecke
- Coursing findet am besten auf einer großen Wiese, Heide oder Sandfläche statt, gern hügelig mit Bäumen oder Büschen. Hindernisse sind erlaubt, müssen aber rechtzeitig sichtbar sein.
- Streckenlänge beim Coursing: große Rassen 650 bis 1000 m, kleine Rassen wie Whippets und Windspiele 400 bis 700 m.
- Die Startgerade ist mindestens 50 bis 70 m lang oder etwa 10 % der Strecke. An der ersten Umlenkrolle ist der Winkel größer als 90°, danach nie kleiner als 60°.
- Rollen (Umlenkpunkte der Köderschnur) stehen möglichst mindestens 50 m, besser 70 m auseinander. Die letzten etwa 30 bis 40 m der Zielgeraden sind Fangzone.
- Der Köder (Lockmittel) ist hell, etwa hasengroß und enthält möglichst echtes Fell. Die Rollen sind dunkel und glitzern nicht. Ein rundum geschlossener Parcours ist verboten.
- Am Sattelplatz (Warteplatz vor dem Start) verhindert ein Sichtschutz, dass die Hunde die Strecke vorher sehen.
- Rennbahn: Gras oder Sand ohne Löcher, mindestens 40 m Gerade vor den Startboxen, Kurvenradius mindestens 42 m (Kategorie A) bzw. 40 m (Kategorie B).
- Auf der Rennbahn ist der Köder ein etwa 40 cm langes helles Hasenfell, wird rund 20 m vor dem ersten Hund gezogen und höchstens 60 cm über dem Boden.
Ausrüstung am Hund
- Beim Coursing trägt jeder Hund Maulkorb und rote oder weiße Renndecke. Beim Rennen gibt es sechs nummerierte Deckenfarben, z. B. 1 rot, 2 blau.
- Gelaufen wird ohne Halsband und ohne Haarschmuck.
- Scheuklappen sind beim Rennen nicht erlaubt. Zum Start geht der Hund ohne Wärmedecke.
- Der Maulkorb muss gut sitzen: nicht zu eng, nicht abstreifbar, gut belüftet. Erlaubt sind Stahldraht, ummantelter Stahldraht oder Kunststoff, ohne Risse oder scharfe Kanten, in jeder Farbe.
- Lange Bänder am Maulkorb müssen so gekürzt sein, dass sie weder den eigenen Hund noch den Mitläufer stören.
- Stachelhalsbänder sind grundsätzlich verboten, Starterleinen sind erlaubt (laut FCI-Reglement).
- Tapes zum Schutz der Daumenkralle sind erlaubt. Bandagen, die eine Verletzung verstecken, sind streng verboten und führen zum Ausschluss (laut FCI-Reglement).
Was der Hundeführer darf
- Der Besitzer startet seinen Hund selbst auf Kommando des Starters, hinter einer markierten Startlinie, sobald der Köder mindestens 10 m entfernt ist.
- Der Hund mit der roten Decke startet rechts.
- Der Hund darf nicht angeschubst oder nach vorn geworfen werden, um ihn loszuschicken.
- Lockt jemand von außen einen Hund aus der Startbox oder über die Ziellinie, kann der Hund beim Rennen disqualifiziert werden.
- Der Besitzer darf seinen Hund jederzeit zurückziehen. Hunde, die nicht starten können, meldet er vor Beginn der Veranstaltung ab.
- Bei der Anmeldung gibt er Lizenzkarte und Hundepass im Sekretariat ab.
- Wer Anweisungen nicht befolgt, Funktionäre beleidigt oder stört, kann vom Platz verwiesen werden.
- Wer den Hund absichtlich zu früh oder zu spät loslässt, kann 10 % der Punkte dieses Laufs verlieren (laut FCI-Reglement).
Ablauf und Bewertung
- Beim Coursing wird das rassetypische Jagdverhalten bewertet. Jeder Hund läuft zwei verschiedene Parcours, immer zu zweit.
- Zwei Coursingrichter werten unabhängig voneinander, bei Titelcoursings drei. Auf ihren Listen stehen keine Hunde- oder Besitzernamen.
- Fünf Bewertungspunkte: Jagdlust, Folgen (Gelände lesen, Weg abschneiden), Geschicklichkeit (Wendigkeit), Kondition und Schnelligkeit im Vergleich zum Mitläufer.
- Für jeden der fünf Bewertungspunkte gibt es höchstens 20 Punkte (laut FCI-Reglement).
- Die Punkte beider Läufe werden zusammengezählt. Fällt der zweite Lauf aus, zählt der erste. Bei Gleichstand entscheidet zuerst der zweite Lauf.
- Im zweiten Lauf treten Hunde mit ähnlicher Punktzahl gegeneinander an. Bei nationalen Titelcoursings braucht man dafür mindestens 50 % der Höchstpunkte.
- Rüden und Hündinnen laufen getrennt, wenn je Rasse und Geschlecht mindestens 3 am Start sind. Unter 2 Hunden je Rasse und Klasse gibt es nur einen Schaulauf.
- Bei einer Unterbrechung, etwa wenn der Köder gefangen wurde: auf der Startgeraden Neustart, sonst Fortsetzung an einer von den Richtern bestimmten Stelle oder Wiederholung.
Disqualifikation und Abbruch
- Disqualifiziert wird ein Hund, der seinen Mitläufer angreift (erkennbar gewollter Stoß mit dem Kopf, einmal genügt) oder ihn über längere Strecke am Laufen hindert.
- Erlaubt bleiben die Abwehr eines Angriffs und Körpereinsatz, solange der Hund dabei ganz auf den Köder schaut.
- Bleibt ein Hund ohne erkennbaren Grund stehen und verfolgt den Köder nicht mehr, bekommt er eine Tagessperre.
- Im Hundepass und auf der Lizenzkarte wird "disq" (disqualifiziert) oder "n.d." (nicht durch, z. B. Verletzung, Sturz, Sichtverlust) eingetragen. Bei Disqualifikation wird die Lizenzkarte einbehalten.
- Beim Rennen führen Rempeln, Raufen und Ausbrechen (Strecke verlassen, Köder nicht verfolgen) zur Disqualifikation.
- Nach Disqualifikationen im Rennjahr nennt die Ordnung drei Sperrstufen: ein Tag, 4 Wochen, 8 Wochen. Bei vier Disqualifikationen in zwei Rennjahren ist die Rennlizenz weg.
- Wer zwischen Meldeschluss und einer Titelveranstaltung disqualifiziert wird, darf dort nicht starten.
- Ist der Hund beim Start eines Laufs nicht da, gibt es eine Tagessperre (laut FCI-Reglement).
Gesundheit und Tierschutz
- Das Wohl des Hundes geht immer vor. Auf Rat des Tierarztes kann ein Hund vom weiteren Start ausgeschlossen werden, wenn seine Gesundheit gefährdet scheint.
- Nicht starten dürfen kranke oder krankheitsverdächtige und verletzte Hunde sowie läufige, gedeckte, trächtige oder gerade säugende Hündinnen.
- Eine gedeckte Hündin ist ab dem 19. Tag nach dem Decken gesperrt, bis 12 Wochen nach dem Wurf vorbei sind.
- Ein Tierarzt ist die ganze Zeit vor Ort und prüft beim Einlass Impfpass, Augen, Läufigkeit, Pfoten und Gang. Hunde in schlechtem Zustand werden abgewiesen.
- Hunde unter 2 und über 6 Jahren werden vor dem zweiten Durchgang noch einmal vom Tierarzt untersucht.
- Meldet der Tierarzt einen Hund als krank oder verletzt, muss er aus dem Wettbewerb genommen werden.
- Doping und jede andere Beeinflussung der Leistung sind verboten, Kontrollen sind möglich.
- Beim Rennen gelten Pausen zwischen zwei Läufen desselben Hundes: bis 525 m mindestens 30 Minuten, darüber mindestens 60 Minuten.
Quelle: VDH-Windhund-Sportordnung (gültig ab 01.01.2025), VDH
Gesetz: schmerzhafte Mittel
Beim Ausbilden, Erziehen und Trainieren sind Stachelhalsbänder und alle anderen Mittel verboten, die dem Hund Schmerzen bereiten. Das gilt für jeden Hund, auch außerhalb des Sports.
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