Einstieg in die Fährtenarbeit: Was du wirklich brauchst
Worum es geht
Ein Mensch läuft über natürlichen Boden, also Wiese, Acker oder Waldboden. Dein Hund folgt dieser Spur später mit tiefer Nase, Schritt für Schritt. Auf der Fährte liegen kleine Gegenstände aus Leder, Stoff oder Holz, etwa 10 cm lang. Der Hund zeigt sie an: Er setzt, legt oder stellt sich davor (das heißt verweisen), nimmt sie auf oder bringt sie dir.
Bewertet wird nicht das Tempo. Die Prüfungsordnung will einen Hund, der selbstsicher, intensiv und gleichmäßig sucht und sichtbar die Führung übernimmt. Du bist hinten an der Leine und folgst.
Im Sport gibt es die Fährte in drei Formen. Als Teil A der IGP (Gebrauchshundprüfung mit Fährte, Gehorsam und Schutzdienst). Als eigene Fährtenprüfung FPr 1 bis 3, die nur aus diesem Teil A besteht. Und als Fährtenhundprüfung IFH 1 bis 3 und IGP-FH für Teams, die sich ganz auf die Nase spezialisieren. Der DVG bietet diese Prüfungen an, der VDH veröffentlicht die zugrunde liegende FCI-Prüfungsordnung.
Für welche Hunde
Für alle. Laut FCI-Prüfungsordnung dürfen alle registrierten Hunde starten, egal welche Größe, Rasse oder Herkunft. Ob dein Hund körperlich fit genug ist, entscheidet der Richter am Prüfungstag. Kranke Hunde sind ausgeschlossen.
Ab wann
Trainieren kann auch ein junger Hund, solange die Einheiten kurz bleiben. Nasenarbeit ist anstrengend.
Für Prüfungen gelten feste Grenzen, ohne Ausnahme am Prüfungstag:
- Begleithundprüfung mit Verhaltenstest (BH/VT) als Voraussetzung. Das Mindestalter legt der Landesverband fest, es liegt nie unter 12 Monaten.
- Fährtenprüfung FPr 1 bis 3: ab 15 Monaten, Stufe frei wählbar.
- IGP 1 und IFH 1: ab 18 Monaten. IFH 2 ab 19, IFH 3 ab 20 Monaten.
- Du und der Halter müsst Mitglied in einem Verein sein, dessen Landesverband von der FCI anerkannt ist.
- Die BH/VT darf am Tag vor einer IGP 1 oder IFH 1 abgelegt werden. Eine Wartezeit gibt es nicht.
Die ersten Wochen
Such dir eine ruhige Wiese, die nicht als Hundeauslauf dient. Fang mit einer kurzen, geraden Fährte von etwa 15 Schritten an. Lege anfangs in fast jeden Tritt ein Stück Futter und am Ende eine größere Belohnung. Markiere die Spur nicht mit Steinen oder Stöcken, der Hund sieht sie. Merk dir lieber Bäume oder Büsche. Warte etwa 10 Minuten, dann setzt du deinen Hund an.
Steigern heißt: weniger Futter, dann ein rechter Winkel, dann mehr Länge.
Das Ziel für die erste Prüfung ist die Fährte der IGP 1 und der FPr 1. So sieht sie aus:
- Eigenfährte, du legst sie selbst.
- Mindestens 300 Schritte, 3 gerade Stücke (Schenkel), 2 Winkel von etwa 90 Grad, mindestens 50 Schritte zwischen den Winkeln.
- 3 eigene Gegenstände, je 7 Punkte. Sie liegen nie näher als 20 Schritte an einem Winkel.
- Mindestens 20 Minuten alt, höchstens 15 Minuten Zeit zum Ausarbeiten.
- 5 Meter Fährtenleine.
Typische Fehler
Darauf achtest du von Anfang an:
- Straffe Leine. Wer festhält oder die Spannung ändert, lenkt den Hund, oft ohne es zu merken. Die Prüfungsordnung verlangt, dass du folgst.
- Zu lange Einheiten. Sie überfordern die Nase.
- Sichtbare Markierungen auf der Spur. Der Hund läuft dann mit den Augen statt mit der Nase.
- Druck. Jeder Zwang ist vor und auf der Fährte verboten. Stachelhalsbänder und alle schmerzhaften Mittel sind im Training gesetzlich verboten (Tierschutz-Hundeverordnung § 2 Abs. 5).
- Kreisen am Winkel einschleifen. Es gilt in der Prüfung als Fehler und kostet Punkte. Eine kurze Kontrolle, ohne die Fährte zu verlassen, ist erlaubt.
Der Weg zur ersten Prüfung
Such dir einen Verein, der Fährte trainiert, und leg dort die BH/VT ab. Danach ist die FPr 1 der direkte Einstieg.
Am Prüfungstag meldest du dich mit suchfertigem Hund beim Richter: Leine ausgelegt, Geschirr angelegt. Du sagst an, ob dein Hund die Gegenstände verweist, aufnimmt oder bringt. Bis etwa 2 Meter vor dem Start darf er an kurzer Leine gehen. Angesetzt wird mit einem Hörzeichen „Such“. Zwei weitere sind erlaubt, kosten aber je 1,5 Punkte. Nimmt der Hund die Fährte nach drei Hörzeichen nicht an, ist Schluss.
Futter oder Spielzeug haben in der Prüfung nichts in deiner Tasche zu suchen, das führt zur Disqualifikation. Ein kurzes Lob am gefundenen Gegenstand ist erlaubt. Ab 70 von 100 Punkten gibt es die Note befriedigend, ab 96 vorzüglich, darunter mangelhaft. Eine Prüfung findet nur statt, wenn mindestens vier Teams starten.
Deine Ausrüstung
Die Leine zieht am Rücken statt am Hals. Die Prüfungsordnung erlaubt es zusätzlich zum Halsband.
Worauf achten: Der Rückengurt darf nicht über die letzte Rippe reichen. Keine zusätzlichen Gurte. Der Richter prüft das Geschirr vor dem Start.
IGP 1 und FPr 1 verlangen 5 Meter, alle höheren Stufen und Fährtenhundprüfungen 10 Meter. Wer nach der ersten Stufe weitermacht, braucht ohnehin 10 Meter.
Worauf achten: Keine Ausziehleine (Flexileine), die ist verboten. Die Leine darf über den Rücken, seitlich oder zwischen den Beinen laufen. Die Länge wird kontrolliert.
In der IGP Pflicht für die ganze Prüfung. Bei den Fährtenhundprüfungen ist auch ein Leder- oder Stoffhalsband erlaubt.
Worauf achten: Wo es das Gesetz verlangt, mit Anschlag (Stopp), damit es nicht würgt. Nichts, was Schmerzen macht.
Für den Weg zum Start. Eine Leine musst du während der ganzen Prüfung dabeihaben.
Worauf achten: Offen getragen gehört der Verschluss auf die vom Hund abgewandte Seite.
Der Hund lernt, sie anzuzeigen. In der Prüfung liegen drei auf der Fährte.
Worauf achten: Etwa 10 x 2 bis 3 x 0,5 bis 1 cm, farblich unauffällig, vorher mindestens 30 Minuten in deiner Tasche getragen.
Beim Auslaufenlassen gleitet die Leine durch die Hand. Auf der Fährte sind Handschuhe ausdrücklich erlaubt.
Worauf achten: Du darfst die Leine halten, wie du willst, solange du den Hund nicht festhältst oder die Spannung veränderst.
Für die ersten Fährten liegt es in den Tritten und am Ende.
Worauf achten: Nur im Training. In der Prüfung ist Futter verboten.
Erlaubte Kleidung in der Prüfung, wenn du Taschen brauchst.
Worauf achten: Keine abstehenden Taschen. Bauchtaschen und Trainingsschürzen sind verboten.
Quellen
- FCI-Prüfungsordnung IGP 2025: Alter, Zulassung, Mitgliedschaft, Teilnehmerzahl, UTI-REG-IGP-de-2025_1.12_.pdf S. 7, 9, 10, 11
- FCI-Prüfungsordnung IGP 2025: Halsband, Geschirr, Leine, Weste, UTI-REG-IGP-de-2025_1.12_.pdf S. 9, 12, 39, 73
- FCI-Prüfungsordnung IGP 2025: Fährte IGP 1 bis 3, Gegenstände, Anzeigen, UTI-REG-IGP-de-2025_1.12_.pdf S. 36, 37
- FCI-Prüfungsordnung IGP 2025: Anmeldung, Ansatz, Hörzeichen, Zwangsverbot, Handschuhe, UTI-REG-IGP-de-2025_1.12_.pdf S. 39
- FCI-Prüfungsordnung IGP 2025: FPr 1 bis 3, Noten, UTI-REG-IGP-de-2025_1.12_.pdf S. 68
- FCI-Prüfungsordnung IGP 2025: Fährtenhundprüfungen IFH, Winkel, Loben, UTI-REG-IGP-de-2025_1.12_.pdf S. 69, 70, 73, 74
- Zusammenfassung IGP (Futter und Spielzeug verboten, Disqualifikation), zusammenfassungen/igp.json, Thema fuehrer (PO S. 9, 12)
- FCI-Prüfungsordnung IGP 2025 beim VDH
- DVG: Gebrauchshundsport (Fährtenhundprüfungen IFH 1, IFH 2, IGP-FH)
- Tierschutz-Hundeverordnung § 2
- Fährtenarbeit mit Hunden: Immer der Nase nach (erste Fährten, kurze Einheiten, lockere Leine)
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